UX-Taktiken
Handlungsmöglichkeiten zur Umsetzung menschzentrierter Qualitäten
Wie gelingt UX-Arbeit, wenn Rollen unklar, Ressourcen begrenzt und Nutzerzentrierung organisational nicht ausreichend verankert ist?
UX-Professionals arbeiten nicht immer unter idealen Bedingungen. Fehlendes UX-Wissen, begrenzte Ressourcen, unklare Verantwortlichkeiten oder eine fehlende strategische Verankerung von UX können die tägliche Arbeit erschweren. Gleichzeitig müssen UX-Professionals Wege finden, mit diesen Bedingungen umzugehen und menschzentrierte Qualitäten in ihrer Organisation umzusetzen.
Genau hier setzen UX-Taktiken an.

Was sind UX-Taktiken?
UX-Taktiken sind kontextabhängige und situativ eingesetzte Maßnahmen im Arbeitsalltag von UX-Professionals. Sie umfassen konkrete Aktivitäten, Aktionen und Methoden, mit denen menschzentrierte Qualitäten operativ umgesetzt, organisationale Herausforderungen bewältigt, Entscheidungen herbeigeführt oder neue Lösungsräume eröffnet werden.
Als reaktive, anpassungsfähige und systemsensitive Handlungsmöglichkeiten verbinden sie strategische Ziele mit der praktischen Umsetzung von UX.
Eine Taktik ist damit kein festes Rezept. Was sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Herausforderung, der eigenen Rolle und dem organisationalen Kontext ab.
Welche Herausforderungen begegnen UX-Professionals?
Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich untersucht, welchen Herausforderungen UX-Professionals bei der Etablierung von UX begegnen und welche Taktiken sie im Umgang damit einsetzen.
Grundlage waren acht Interviews – vier aus der Wirtschaft und vier aus der Forschung. Die Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Für die weitere Analyse und Strukturierung kamen MAXQDA und MAXMaps-Creative Coding zum Einsatz.
Aus dem Material wurden 14 zentrale Herausforderungen herausgearbeitet. Sie lassen sich auf drei Ebenen betrachten:
individuell, organisational und operativ.
Dazu gehören beispielsweise begrenzte Ressourcen, fehlendes UX-Wissen und UX-Mindset, ein unklares Rollenverständnis, mangelnde Sichtbarkeit und Anerkennung von UX, fehlende Strategie oder permanente organisationale Spannungsfelder.
Von der Herausforderung zur Handlungsmöglichkeit
Die Herausforderungen bilden den Ausgangspunkt der auf dem Poster dargestellten Taktiken. Dabei zeigt sich: UX-Professionals reagieren nicht mit einer einzelnen „richtigen“ Lösung. Für eine Herausforderung können unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten relevant sein.
Bei fehlendem UX-Wissen kann es beispielsweise darum gehen, UX-Wissen gemeinsam aufzubauen, UX verständlich zu kommunizieren oder Nutzerzentrierung durch konkrete Erfahrungen nachvollziehbar zu machen.
Bei unklaren Rollen können UX-Professionals dagegen versuchen, ihre eigene UX-Rolle aktiv zu definieren, Erwartungen und Verantwortlichkeiten auszuhandeln oder ihre professionelle Identität zu stärken.
Andere Herausforderungen verlangen wiederum kommunikative, strategische oder organisationale Vorgehensweisen.
Die zentrale Grafik des Posters macht diese Zusammenhänge sichtbar: 14 Herausforderungen werden mit einem Auszug der im Material identifizierten Taktiken verbunden.
Wirtschaft und Forschung: unterschiedliche Bedingungen, ähnliche Herausforderungen
Die Interviews zeigen außerdem, dass sich die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Forschung unterscheiden.
In wirtschaftlichen Organisationen treten unter anderem ROI- und Kostendruck, der Einfluss einzelner Kund:innen und träge organisationale Strukturen hervor. Im Forschungsumfeld spielen dagegen beispielsweise wissenschaftliche Prioritäten, Personalwechsel und Wissensverlust sowie fehlende institutionelle UX-Strukturen eine stärkere Rolle. Gleichzeitig zeigen sich Gemeinsamkeiten: Ressourcen- und Zeitmangel, mangelnde Sichtbarkeit von UX, Herausforderungen der interdisziplinären Zusammenarbeit, unklare Rollen und die Etablierung eines UX-Mindsets finden sich in beiden Kontexten. Die Bedingungen unterscheiden sich – viele der grundlegenden Herausforderungen ähneln sich.
Was bedeutet das für die eigene UX-Praxis?
Die identifizierten UX-Taktiken sind keine universellen Lösungen, sondern kontextabhängige Handlungsmöglichkeiten.
Die Taktiksammlung soll deshalb weniger die Frage beantworten:
„Welche Taktik muss ich anwenden?“
Interessanter ist:
„Welche Handlungsmöglichkeiten habe ich in meiner konkreten Situation?“
Ein reflektierter Vergleich verschiedener Optionen kann helfen, Entscheidungen bewusster zu treffen und geeignete nächste Schritte abzuleiten. Dazu können auch die vier Reflexionsfragen nach Torres einen Anstoß geben:
- Denke ich zu eng oder zu klein über das Problem?
- Welche Belege stützen meine Überzeugungen?
- Beeinflussen kurzfristige Emotionen meine Entscheidung?
- Überschätze ich meine eigene Einschätzung?
UX-Taktiken werden damit zu einer Möglichkeit, die eigene Situation neu zu betrachten und trotz schwieriger Rahmenbedingungen Handlungsmöglichkeiten für die Umsetzung menschzentrierter Qualitäten zu entdecken.
Das Poster „UX-Taktiken – Handlungsmöglichkeiten zur Umsetzung menschzentrierter Qualitäten“ bündelt die Ergebnisse und macht die Zusammenhänge zwischen organisationalen Herausforderungen und den Taktiken von UX-Professionals sichtbar. Dieses Poster ist zu sehen auf der Mensch und Computer 2026 in Duisburg.

